Donnerstag,

24. März 2022

Moderation: Esther Csapo Ö1 - Büchertisch: facultas


19.30 Uhr

Begrüßung


19.40 Uhr

Tatjana Scheel
Haymon Verlag

© mike auerbach

Vielleicht habe ich dich nur erfunden

Der erste Sprung ins kalte Wasser ist belebend. Als Alex wieder auftaucht, ist da Sheela: selbstbewusst, unberechenbar, der Blick durchdringend. Alex steht kurz vor dem Abitur und weiß nicht, wohin mit ihren Gefühlen. Viel zu viel in ihr will nach draußen und sucht nach Widerhall in Sheela, doch die schreibt - ohne Rücksicht auf die Befindlichkeiten anderer - ihre eigenen Regeln. Jahre später treffen die beiden in Berlin aufeinander, Sheela übt immer noch Faszination auf Alex aus, aber auch Macht: psychisch und körperlich. Alex baut Luftschlösser und gemeinsam mit Sheela an dem Netz, in dem sie sich immer weiter verfängt.

 

In ihrem Debütroman Vielleicht habe ich dich nur erfunden (AT) (Haymon, 2022) erzählt Tatjana Scheel von den Unwegbarkeiten menschlicher Beziehungen: Wo hört Liebe auf? Und wo beginnt die Selbstaufgabe?

Tatjana Scheel lebt als Drehbuchautorin in Berlin. Schon mit sieben Jahren schrieb sie ihre erste Kurzgeschichte, in der die Liebe zwischen einem Apfel und einer Birne tragisch endete.


20.00 Uhr

Anna Silber
Picus Verlag

© paul feuersänger

Chopinhof-Blues

Die Geschwister Katja und Tilo verbindet ihre Kindheit im Heim. Nun, als Erwachsene, nagt die Vergangenheit in Form ihrer schwierigen Liebesbeziehungen an ihnen. Die Krisenjournalistin Esra bereist die gefährlichsten Orte der Welt, in der Hoffnung, mit ihren Reportagen aufzurütteln. Bei ihrem letzten Einsatz in Honduras gerät sie selbst in die Abgründe der Aggressionen, die sie noch Wochen nach ihrer Rückkehr nach Berlin verfolgen. Und Adam, ein studierter Philosoph aus Budapest, hat gemeinsam mit seiner Frau Ungarn verlassen, um in Wien ein besseres Leben zu führen. Doch das entwickelt sich anders, als die beiden sich das vorgestellt haben. Als Daniel zur Geburtstagsfeier seines Sohnes in den Chopinhof, einen schmucklosen Gemeindebau in Wien lädt, treffen sie alle aufeinander...

 

Chopinhof-Blues (Picus Verlag, 2022) von Anna Silber ist ein kraftvoller Debütroman über das Erwachsenwerden, über die Beziehungsdynamiken und Narben aus der Vergangenheit.

Anna Silber, 1995 in Mödlingen geboren, wuchs in Deutschland auf. Zahlreiche Nominierungen und Preise.


20.20 Uhr

Jchj V. Dussel
Luftschacht

© leonie ott

Aus dem schlafenden Vulkan ausbrechen

Kopjas Zwillingsbruder Jakop sprüht Aggressionen wie ein junger Vulkan. Als der 6-Jährige wie vom Erdboden verschluckt ist, muss der zarte, heitere Kopja die Lücke füllen. Über die Jahre übt er ein Glaubensbekenntnis der Bruderliebe ein. Nachdem er von zu Hause ausreißt, stößt er auf eine heiße Spur: Wurde Jakop damals entführt? Die Suche nach dem Bruder beginnt. Queere Liebschaften, neue Freunde und eine vergessene Schwester reißen Kopja dabei in einen Sog.

Der Debütroman Aus dem schlafenden Vulkan ausbrechen (Luftschacht, 2022) von Jchj V. Dussel ist ein federleichtes Manifest der Queerness und ein Liebes- und Eifersuchtsdrama von archaischer Wucht.

 
 

Jchj V. Dussel, * 1988 in Niedersachsen, ist Autorj, Musikerj und Performance-Künstlerj. Jchj studierte in Braunschweig und Istanbul Film/Video, Performance, Malerei und Freies Schreiben. Diverse Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften. J gründete mit Moritz Sauer das Performance-Kollektiv BR*OTHER ISSUES. Js Text DARK ROOM wurde 2019 am Schauspiel Hannover uraufgeführt und 2021 am Maxim Gorki Theater Berlin in überarbeiteter Form als Stream verfilmt. J war 2018-21 Mitherausgeber*in der Literaturzeitschrift Glitter und ist aktuell Stipendiat*in des Instituts für Digitaldramatik am Nationaltheater Mannheim.


20.40 Uhr

20 Min. Pause


21.00 Uhr

Die dritte Hälfte eines Lebens

Krimmwing ist ein Dorf wie viele andere. Ein Dorf, das sehr genau beobachtet, bewertet und urteilt, das aber auch gut ist im Wegsehen und Weghören. So haben es die schwer, die anders sind. Der Rathbauer etwa, der sich so gern schminkt, allein vor dem Spiegel. Der Steinlachner Seppi mit seiner dunklen Hautfarbe, zurückgelassen vom Vater, der kein Einheimischer war. Die junge Rosa, ledig und alleinerziehend. Oder die Liesl mit der körperlichen Auffälligkeit. Warum der Seppi letztlich mit einem Seil zum Apfelbaum auf den Kirschkernhügel gegangen ist, will im Nachhinein niemand geahnt haben. Doch Krimmding ist auch ein Dorf, das nicht vergisst, und als der Peter Dohringer nach vielen Jahren zurückkehrt, wird es unangenehm für einige in der Gemeinde.

 

Anna Herzigs neuer Roman Die dritte Hälfte eines Lebens (Otto Müller, 2022) zeigt in eindrücklichen Szenen die Machtverhältnisse und Triebkräfte einer Dorfgesellschaft. Ihre scharfen Beobachtungen sind frei von Bewertungen, sie stehen und wirken für sich.

Anna Herzig ist 1987 als Tochter eines Ägypters und einer Kanadierin in Wien geboren und in Waidhofen/Ybbs aufgewachsen. Die Schriftstellerin, Drehbuchautorin und Künstlerin forscht und schreibt nah am Leben. Meistens irgendwo in Österreich, gern auch in Europa - zwischen dem, was neu, und dem, was bekannt ist. Derzeit lebt sie in Salzburg. Ihre letzten Romane sind "Sommernachtsreigen" (2018) und "Herr Rudi" (2020) beide Voland & Quist


21.20 Uhr

Paul Ferstl
Milena Verlag

© theresa wey

Das Grab von Ivan Lendl

Der ehemalige Zivildiener Ivan stirbt bei einem Unfall während eines Wiederaufbauprojekts an der Donau. Seine Schwester Ivanka kommt zu dem Begräbnis vor Ort. Im Anschluss reist sie durch das Land, um Ivans Spuren nachzugehen: Dieser hat Rumänien seit seinem Zivildienst vor Jahren nicht mehr verlassen. Begleitet wird sie von dem 19-jährigen Zivildiener Pich. Ivanka versucht herauszufinden, was Ivans Leben in Rumänien ausgemacht hat, während Pichs Beziehung zu Ivan während des gemeinsamen Jahres in Rückblenden erzählt wird. Als im rumänischen Norden ein Zivildienstkollege Selbstmord begeht, der die Donau nach Ivans Tod abrupt verlassen hat, steigt der Verdacht auf, dass Ivans Tod kein Unfall gewesen sein könnte.

 

Pau Ferstls neuer und außergewöhnlicher Roman Das Grab von Ivan Lendl (Milena, 2022) handelt von jungen Menschen in einem fremden Land, die sich plötzlich einer Verantwortung stellen müssen, der sie kaum gewachsen sind, von sexueller Gewalt unter Männern in prekären Lebensumständen und von der Macht und Ohnmacht des Schweigens.

Paul Ferstl, geboren 1981 in Leoben, ist Schriftsteller, Wissenschaftler und Wissenschaftsverleger. Er lebt und arbeitet in Wien. Letzte Veröffentlichung: "Fischsitter" (2018).


21.40 Uhr

Benedikt Feiten
Voland & Quist

© maria svidryk

Leiden Centraal

Eine Party, auf der sie nie war. Eine Liebesbotschaft, die ihr nicht gilt, eine Familie an Weihnachten, die nicht ihre ist. Tausend Kindheiten, die sie nie erlebt hat.
Valerie analysiert als forensische Informatikerin täglich Unmengen fremder Erinnerungen. Bei einem neuen Fall geraten Adrian und Christina in den Fokus ihrer Ermittlungen und mit ihnen die menschenunwürdigen Machenschaften eines illegalen Leiharbeitsnetzwerks.

 

Benedikt Feiten schickt in seinem neuen Roman Leiden Centraal (Voland & Quist, 2022) seine drei Protagonisten auf Suche, Jagd und Flucht durch die Niederlande, Rumänien und Deutschland, durch geografische und digitale Räume. Lakonisch und durchdacht erzählt er vom Streben nach Orientierung im Vergangenen - und von der Macht der Technologie, die das Erinnern formt.

Benedikt Feiten wurde 1982 in Berlin geboren und lebt in München. Er wurde mit dem Literaturstipendium der Stadt München ausgezeichnet. 2016 erschien sein Debütroman Hubsi Dax2019 erhielt er für So oder so ist das Leben den Bayerischen Kunstförderpreis. Er ist Trompeter und Cellist in verschiedenen Bands und Projekten. 2021 ist er Stipendiat des internationalen Künstlerhauses Villa Concordia in Bamberg.